Die international äußerst erfolgreiche Sopranistin Iride Martinez gastiert beim Klassik-Open-Air im Rahmen des 40. Hohentwiel-Festivals am Dienstag, 21. Juli, um 20 Uhr auf der Karlsbastion in Deutschlands größter Festungsruine. Sie kommt anstelle von Ofelia Sala. Die spanische Sängerin musste ihren Auftritt beim traditionsreichen Festival auf dem Singener Hausberg absagen, da sich bei ihrer Schwangerschaft Komplikationen eingestellt haben. Die ursprünglich aus Costa Rica stammende Iride Martinez ist aber weit mehr als ein Ersatz, sondern ein wirklicher Glücksfall, wie Florian Riem betont, der Intendant der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz. Diese wird Iride Martinez begleiten. Jean-Louis Forestier
dirigiert das Konzert. Wie auch mit Ofelia Sala vorgesehen, stehen auf dem Programm Arien und Instrumentalstücke aus Zarzuelas, einer eignen spanischen Singspielgattung, sowie italienischen Opern.
Erst im vergangenen November gab Iride Martinez zusammen mit dem großen Tenor Plácido Domingo ein Konzert, an dessen Seite sie schon 2004 in Wien beim Festival “Klangbogen” aufgetreten war. Die Sopranistin war bereits an bedeutendsten Opernhäusern wie der Mailänder Scala verpflichtet und an mehreren Weltpremieren neuer musikalischer Werke beteiligt.
Ihre musikalische Ausbildung begann Iride Martinez in Costa Rica. Sie nahm Schauspiel- und Gesangsunterricht, bevor sie ihr Heimatland verließ, um bei weiteren Lehrern an ihrer Stimme zu arbeiten. So wurde sie in Italien bei Mirella Freni und Elio Battaglia sowie in Deutschland bei Wilma Lipp unterrichtet. Mittlerweile wohnt die Sängerin zwar in Deutschland und Italien, doch hat sie ihr lateinamerikanisches Temperament nicht verloren, was ihr Markenzeichen ist. Sie hat es durch Zielstrebigkeit, viel Leidenschaft und Professionalität geschafft, als Sopranistin die internationalen Opernbühnen zu erobern.
Schon früh zeichneten sich Erfolge ab. So nahm Iride Martinez an bedeutenden Gesangswettbewerben teil, wie in Italien bei “Maria Caniglia” und in Spanien am Concurso de Canto de Bilbao. Ihr offizielles Debüt lieferte sie 1994 im Teatro dell‘ Opera di Roma, wo sie die Rolle der Norina in “Don Pasquale” sang. Nach diesem Erfolg begannen ihre regelmäßigen Auftritte in Deutschland.
Von 1995 bis 2002 war sie festes Ensemblemitglied der Kölner Oper. Dort wurden die Zuschauer Zeugen brillanter Umsetzungen vieler Rollen ihres Repertoires wie die Violetta in “La Traviata”, Adina im “Liebestrank”, Giulietta in “Capuleti e Montecchi” (Bellinis “Romeo und Julia”), Gilda in “Rigoletto”, Cleopatra in “Julius Cäsar”, Nannetta in “Falstaff”, Susanna in “Figaros Hochzeit”, Konstanze in der “Entführung aus dem Serail” und Pamina in der “Zauberflöte”. Aufgrund ihres speziellen Geschmacks, einer exquisiten, außergewöhnlichen Technik, ihrer Vielseitigkeit und ihres schauspielerischem Talents, war es Iride Martinez möglich, überaus erfolgreich zahlreiche verschiedene Rollen unterschiedlicher Stile und Epochen zu präsentieren. Dazu zählt beispielsweise die Königin von Schemaka in “Der goldene Hahn” von Rimski-Korsakow bei den Bregenzer Festspielen. Als weiterer Karrieresprung entpuppte sich ihr Auftritt als Viola/Cesario bei der Welt-Premiere von “Was ihr wollt” von Manfred Trojahn an der Bayerischen Staatsoper in München. Für diese Rolle gewann sie im Jahr 1998 den begehrten Titel des “Nachwuchstalents des Jahres”, der von 50 Fachjournalisten vergeben wurde. Dies war der Beginn ihres internationalen Durchbruchs.
Iride Martinez gastierte in den folgenden Jahren mehrfach an der Dresdner Semperoper, wo sie in “Ariadne auf Naxos” als Zerbinetta triumphierte, dirigiert von Sir Colin Davis. Die Sopranistin sang regelmäßig bei den Salzburger Festspielen, in den Opernhäusern in Berlin, Essen, Stuttgart und Frankfurt, der Opera Bastille in Paris, der Florida Grand Opera in Miami, dem Grand Theatre de Génève, der Opera de Montecarlo, im Teatro Sao Carlo in Lissabon, im Palau de les Arts in Valencia und auf renommierten Festivals wie Spoleto, Innsbruck, Baden-Baden, Luzern, Ludwigsburg und Glyndebourne. Sie arbeitete mit berühmten Dirigenten wie Lorin Mazel, Ivor Bolton, James Conlon, Semyon Byschkov, Valery Gergjev, Fabio Luisi, René Jacobs und Vladimir Fedosejev.
In der Spielzeit 2007 gelang Iride Martinez ein großer Triumph an der Deutschen Oper Berlin in der Titelrolle von “Lucia di Lammermoor”. Infolge dessen wurde sie für die Hauptrolle der Weltpremiere von “La Hija del Cielo” (”Die Tochter des Himmels”) in Las Palmas auf Gran Canaria engagiert, einer Produktion der berühmten, innovativen katalanischen Theatergruppe “La Fura del Baus”. 2008 debütierte Iride Martinez in der Mailänder Scala mit einer Rolle in der Oper “1984″, komponiert und dirigiert von Lorin Maazel.
Iride Martinez hat es als einzige costaricanische Sängerin nicht nur geschafft, eine internationale Karriere zu machen, sondern engagiert sich auch für ihre Landsleute. Im Jahr 2005 gründete sie die Stiftung “Jovenes Cantantes M.P.”, die Sängern aus Costa Rica hilft, international arbeiten zu können. So ist Iride Martinez auch als Lehrerin und Ausbilderin für die Schüler ihrer Stiftung tätig und lässt diese von ihrem Wissen profitieren - und das mit beachtlichem Erfolg.
Der Dirigent Jean-Louis Forestier
Der in Frankreich geborene Dirigent Jean-Louis Forestier hat ein sehr breites Repertoire von der klassischen bis zur modernsten Musik und arbeitet sowohl im symphonischen wie im Opernfach. Er hatte seine musikalische Laufbahn mit einem Percussions-Studium in Versailles und einem Engagement beim Orchester der Nationaloper in Paris begonnen. Es schloss sich sein Dirigierstudium bei Pierre Dervaux in Paris und bei Franco Ferrara in Siena an. Forestier arbeitete auch eng mit dem französischen Dirigenten und Komponisten Pierre Boulez, dem langjährigen musikalischen Leiter des New York Philharmonic Orchestras, sowie mit weiteren zeitgenössischen Komponisten wie Berio, Xenakis, Ohana, Bayer, Dusapin und Cavana für Konzertaufführungen und CD-Einspielungen zusammen. Forestier dirigierte zahlreiche namhafte Orchester in seinem Heimatland Frankreich, in Japan und Australien. Darüber hinaus engagiert er sich sehr stark in der musikalische Nachwuchsausbildung, bisher unter anderem an den Konservatorien Versailles, Brest sowie Gennevilliers und bei verschiedenen Jugendorchestern in Europa und Australien.
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